Standort: Grünfläche am Brunnenplatz
Kulturpunkt Nr. 17
Dieser Kulturpunkt wird bei den Wanderwegen 1, 2, 4 und 7 erreicht.
Wenn man die Wulka von der Bahnstraße kommend überquert, war die Synagoge das dritte Haus auf der rechten Seite (am nördlichen Ende der heutigen Grünfläche). Es war ein in Ost-West-Richtung ausgerichtetes, nicht rechtwinkeliges, zweigeschossiges Bauwerk mit einem markanten hohen Dachstuhl. Die Hauptfassade (westseitig) war mit einem kleinen Vorplatz in die Judengasse gerichtet. Wie üblich gab es für die Männer (links) und die Frauen (rechts) je einen eigenen Eingang. Beide Eingänge waren nur über einige nach unten gehende Stiegen erreichbar, der Eingangsbereich war durch einen schmiedeeisernen Zaun abgegrenzt. Im Erdgeschoß (für die Männer) erreichte man nach einem Vorraum den Betraum mit dem Thoraschrein, reich geschmückt mit ursprünglich bunten Fresken an den Wänden. Der im Obergeschoß durch eine schmale Treppe erreichbare Frauenbereich war nur im hinteren Drittel des Betraumes und oben durch ein Holzgitter vom Männerbereich getrennt.
Angebaut an der Ostseite der Synagoge stand die Talmudschule, ein einfacher, schmuckloser zweigeschossiger Bau.
Das Errichtungsjahr der Synagoge ist nicht gesichert, an einer Tafel an der Hauptfassade stand "Errichtungsjahr 5114 und von neuem errichtet im Jahr 5635". 5114 der jüdischen Zeitrechnung wäre das Jahr 1354, dies ist sicher viel zu früh, weil dafür keine Nachweise einer jüdischen Bevölkerung vorliegen. Die fast unleserliche hebräische Schrift der Tafel kann aber auch als Errichtungsjahr 5310 und somit 1550 unserer Zeitrechnung bedeuten, dies ist viel wahrscheinlicher. Gesichert ist jedenfalls das Jahr 1647, zumindest für eine erste Erweiterung. Das Jahr 5635 auf der Tafel wäre das Jahr 1875. Anzunehmen ist, dass nach einem Brand ein paar Jahre vorher, der vordere Teil der Synagoge neu errichtet worden ist. Dies deshalb, weil in der Kuppel des Gewölbes bis zuletzt immer noch das Jahr 1702 zu lesen war. Wahrscheinlich ein Jahr der Sanierung und der Vollendung der umfangreichen Wandmalereien (Fresken) mit vielen religiösen Motiven und Psalmsprüchen.
1910 wurde der Innenraum schwarz und weiß übermalen, 1932 erfolgte keine Freilegung der Fresken, sondern eine bunte Übermalung ohne einheitlichem Stil mit Psalmsprüchen über den Fensterbögen.
Die Mattersdorfer Jeschiwa, war sicher eine der bedeutendsten orthodoxen Talmudschulen im mitteleuropäischen Raum und unterrichtete zeitweise bis zu 60 Studenten (Bachurim). Die Jeschiwa wurde 1778 vom Rabbiner Jimeja ben Isaac Rosenbaum gegründet. Mit kurzen Unterbrechungen zu Beginn des 19. Jh. (aus finanziellen Gründen) wurde sie bis 1877 von anerkannten Talmudgelehrten, wie Loeb Frankfurter, Jissacher Beer Bloch, Moses (Chatam) Sofer und seinem Sohn Simon Sofer geleitet. Ab 1877 übernahm die Leitung die Rabbinerfamilie Ehrenfeld. Samuel Ehrenfeld, der Enkel von Moses Sofer, von 1877 bis 1883, sein Sohn Simcha Bunim Ehrenfeld von 1883 bis 1926 und von 1926 bis zum Ende 1938 dessen Sohn Samuel Ehrenfeld der Jüngere. Dieser letzte Rabbiner gründete auch nach seiner Flucht über Amerika im Jahr 1958 die orthodoxe Gemeinde Kiryat Mattersdorf (heute ein Ortsteil von Jerusalem). Hier ist nun bereits die sechste Generation der Rabbinerfamilie Ehrenfeld tätig.
Exkurs: kurze Geschichte der Judengemeinde:
Erste jüdische Bewohner in Mattersdorf dürften bereits im 13. Jahrhundert und 1438 in Mattersdorf gewesen sein, als Judengemeinde erstmals 1528 erwähnt. Ab 1622 unter der Schutzherrschaft der Fürsten Esterhazy, trotzdem vorher und zuletzt zwischen 1671 und 1675 vertrieben. Erst mit dem Schutzbrief aus 1694 konnte der kontinuierliche Fortbestand der Judengemeinde gesichert werden.
Nach der Revolution 1848 Gleichstellung der Juden, dies führte zum uneingeschränkten Aufenthalt und einer eigenständigen kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung, zwischen 1871 und 1903 bestand auch eine selbständige Gemeinde in Mattersdorf. In der ersten Republik wurden alle Rechte weitgehend weiter zugestanden.
Mitte des 19. Jahrhunderts stellte die jüdische Bevölkerung mit rund 1.000 Einwohnern rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung von Mattersburg.
Erst der Nationalsozialismus ab März 1938 zerstörte die Jahrhunderte alte Tradition. Die Burgenländischen NSDAP-Funktionäre hatten dabei eine traurige Vorreiterrolle, schon im Herbst 1938 galt Burgenland als "judenrein". Der damalige Nazi-Bürgermeister hisste dazu an der Synagoge im September 1938 eine weiße Fahne. Von der Vertreibung durch die Nazis waren noch ca. 530 jüdische Einwohner betroffen. Dies waren immer noch fast 13 Prozent der rund 4.200 Einwohner.
Im Jahr 1940 wurden von der NS-Herrschaft alle kulturellen Einrichtungen der Judengemeinde, auch die Synagoge, vollständig vernichtet.